Österreichs Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Einer der renommiertesten Wirtschaftsexperten Österreichs beeindruckte am 22.11. die mehr als 300 Gäste beim Investmentgespräch der HYPO Oberösterreich im Linzer Ursulinenhof.

Universitätsprofessor Martin Kocher, Leiter des Institutes für Höhere Studien, erläuterte prägnant die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen und gab auch seine Einschätzungen für die nähere Zukunftab. Das Wirtschaftswachstum werde in Österreich heuer knapp unter drei Prozent liegen, betonte Kocher.

Das IHS hatte zuletzt im September in seiner Prognose ein Wachstum von 2,6 Prozent errechnet. „In unserer Dezemberprognose werden wir den Wert aller Voraussicht nach oben auf 2,8 oder 2,9 Prozent korrigieren, betonte IHS-Chef Kocher. Verantwortlich für das Wachstum seien mehrere Faktoren. Zuerst habe der private Konsum, angetrieben auch durch die Steuerreform, angezogen. Die überraschend gute weltweite Konjunktur habe zu gestiegenen Exporten und gleichzeitig zu einer verstärkten Investitionstätigkeit der Unternehmen geführt, so Kocher. Und schließlich habe auch die Geldpolitik der EZB ihren positiven Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung geleistet. Auch 2018 werde sich das Wirtschaftswachstum in Österreich nicht merklich abschwächen und deutlich über zwei Prozent liegen, so der Volkswirt.

HYPO-Investment Gespräche 22.11.2017

Die Budgetentwicklung sei allerdings weniger gut, als man angesichts der guten Wirtschaftslage meinen sollte, betonte der IHS-Chef. Trotz des starken Wachstums gebe es weiterhin ein Budgetdefizit. Dabei müssten solche konjunkturellen Hochs genützt werden, um langfristigen budgetären Spielraum zu gewinnen. Denn die Ausgaben für Pensionen, Pflege und Gesundheit würden uns künftig stärker belasten, als bisher, so der Universitätsprofessor. Daher müsse es Ziel sein die Staatsverschuldung deutlich zu senken. Österreich könne sich diesbezüglich Schweden als Vorbild nehmen, so der Ökonom. Dort liege die Quote der Staatsverschuldung (in Relation zum Bruttoinlandsprodukt)  bei rund 40 Prozent, in Österreich hingegen bei rund 80 Prozent.

HYPO-Generaldirektor Andreas Mitterlehner betonte, dass sich an der Niedrigzinspolitik der EZB mittelfristig kaum etwas ändern werde. Zwar werde die EZB  2018 die Anleihenkäufe wahrscheinlich beenden und die Leitzinsen vielleicht graduell anheben, trotzdem werden die Zinsen sehr niedrig bleiben. Auch Mitterlehner geht davon aus, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung im kommenden Jahr verfestigen und an Breite gewinnen werde.