Kein Anlass für Pessimismus

Einer der renommiertesten Wirtschaftsexperten Österreichs beeindruckte am Dienstagabend die mehr als 300 Gäste beim Investmentgespräch der HYPO Oberösterreich im Linzer Ursulinenhof. Universitätsprofessor Christoph Badelt, Leiter des WIFO, erläuterte prägnant die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen und gab auch seine Einschätzungen für die nähere Zukunft ab. Österreichs Wirtschaft befinde sich nach wie vor in einer Phase der Hochkonjunktur, nur der Höhepunkt sei überschritten. Es gebe daher keinen Anlass für Pessimismus, betonte Badelt.

HYPO Investment-Gespäch

Für heuer werde in Österreich ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent prognostiziert. Für 2019 seien zwei Prozent zu erwarten, betonte der Leiter des WIFO. Vor allem der steigende private Konsum entwickle sich immer stärker zu einem Wachstumsträger, während die Industrieproduktion und die Exporte eher zurückgingen. Aber nicht nur die Wirtschaftsdaten sondern auch die Stimmungsindikatoren zeigten, so Badelt, nach wie vor ein optimistisches Bild. Allerdings gebe es, anders als sonst, eine höhere Zahl an externen nicht beeinflussbaren Risiken. Das seien etwa der bevorstehende Brexit, die US-Handelspolitik, die US-Sanktionen gegen den Iran, die Entwicklung der Schwellenländer und die Situation Italiens, erläuterte Badelt.

Für 2018 werde in Österreich ein nahezu ausgeglichener Öffentlicher Haushalt nach den Maastricht-Kriterien erreicht. Für 2019 sei sogar ein leichter Überschuss zu erwarten. Diese Entwicklung sei aber im Wesentlichen durch die gute konjunkturelle Entwicklung geprägt, betonte Badelt. Daher seien strukturelle Reformen dringender denn je, erklärte der WIFO-Chef.

Ein großes Thema sei nach wie vor auch die hohe Arbeitslosigkeit, bei einem gleichzeitigen Fachkräftemangel. Österreich habe hier, so Badelt,  vor allem ein Qualifizierungsproblem. Auch bei der Nutzung der Digitalisierung habe man ein Aufholpotential, stellte der WIFO-Chef fest.

HYPO Generaldirektor Andreas Mitterlehner betonte, dass sich an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank mittelfristig kaum etwas ändern werde. Zwar werde die EZB jetzt zum Jahresende die Anleihenkäufe beenden, eine Leitzinsanhebung sei aber erst im dritten oder vierten Quartal 2019 zu erwarten und auch dann werden die Zinsschritte nur moderat erfolgen, betonte Mitterlehner. Man werde damit im kommenden Jahr zwar den Bereich der Negativzinsen verlassen, aber das Zinsniveau werde weiterhin niedrig bleiben, so der HYPO- Generaldirektor.

Fotos: HYPO / Wakolbinger