Nachhaltigkeit im Realitätscheck: Bilanz 2025 und Ausblick
Das Nachhaltigkeitsjahr 2025 war weniger von neuen großen Versprechen geprägt als von der nüchternen Auseinandersetzung mit der Realität. Auf globaler, europäischer und nationaler Ebene zeigte sich, dass Klimaschutz und Transformation keine linearen Prozesse sind, sondern unter wirtschaftlichem Druck auch neu austariert werden müssen. Für Unternehmen, Investor:innen und Politik bedeutete das vor allem eines: Prioritäten setzen und Umsetzungsfragen klären.
In Österreich stand 2025 die praktische Anwendung im Vordergrund. Der Ausbau erneuerbarer Energien blieb trotz relativ hoher Inflation, Zinsen und Budgetdebatten ein zentrales Investitionsfeld, insbesondere bei Photovoltaik, Wasserkraft und Netzinfrastruktur. Mit dem Start des Einwegpfandsystems wurde Kreislaufwirtschaft im Alltag greifbar. Weniger abstrakt, aber auch konfliktreicher, wurde Nachhaltigkeit auch bei Themen wie Flächenverbrauch, Genehmigungen und Kostenverteilung.
Auf europäischer Ebene war 2025 ein Jahr der Konsolidierung. Die großen Nachhaltigkeitsregeln der letzten Jahre wurden nicht zurückgenommen, aber pragmatisch nachgeschärft und teils zeitlich gestreckt. Die Berichterstattungspflichten aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sollen weiterhin Transparenz schaffen, wurden aber in ihrer Anwendung entschärft, um Unternehmen – insbesondere KMU – nicht zu überfordern. Ähnlich entwickelte sich die Lieferkettenrichtlinie, deren Anwendungsbereich im Sinne eines Bürokratieabbaus auf große Unternehmen begrenzt bleibt. Für Unternehmen bedeutet das weniger Bürokratie als befürchtet, aber weiterhin steigende Anforderungen an Daten, Prozesse und Verantwortung.
Parallel dazu gewinnt der CO₂-Grenzausgleich CBAM („Carbon Border Adjustment Mechanism“) an Bedeutung. 2025 diente als Vorbereitungsjahr, ab 2026 werden für emissionsintensive Importe schrittweise reale Kosten fällig. Das Instrument soll Wettbewerbsnachteile für europäische Produzenten vermeiden und zugleich Anreize für klimafreundlichere Produktion weltweit setzen. Für Industrie, Handel und Investoren wird CBAM damit zu einem relevanten Faktor in Preisbildung, Lieferketten und Standortentscheidungen.
Global betrachtet blieb Nachhaltigkeit eng mit geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen verknüpft. Fortschritte bei der globalen Klimafinanzierung standen einer vollständigen Abkehr von der Klimapolitik in den USA unter der Regierung Trump gegenüber. Gleichzeitig wurde im Jahr 2025 erneut offensichtlich, dass Klimarisiken auch Finanzrisiken sind – etwa für Versicherungen, Banken und Staaten. Die Kosten für erneuerbare Energien sanken weiter, was die Energiewende wirtschaftlich attraktiver macht als oft angenommen.
Der Blick auf 2026 zeigt ein differenziertes Bild. Nachhaltigkeit wird weniger durch neue große Visionen vorangetrieben, sondern durch Umsetzung, Datenqualität und Investitionsentscheidungen. Unternehmen, die Energieeffizienz, Risikomanagement und Innovation früh integrieren, verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Auch für Investor:innen sollten langfristige Stabilität und Übergangsstrategien wieder stärker in den Fokus rücken. Trotz politischer Reibungen bleibt das Fazit konstruktiv: Die Grundlagen sind gelegt, viele Instrumente stehen bereit. 2026 kann ein Jahr werden, in dem Nachhaltigkeit vom eher unliebsamen Pflichtprogramm wieder zu einem positiven wirtschaftlichen Faktor wird.
Autor:
Dr. Bernhard Huber, CPM, CEFA
Wertpapier Produktmanagement
Stand: 1. Jänner 2026
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