Grün ist nur der Rasen – die Fußball-WM 2026
Am 11. Juni 2026 beginnt in Mexiko-Stadt die Fußball-Weltmeisterschaft – das größte Turnier der Geschichte und zugleich eines der umstrittensten Megaevents der Gegenwart.
Erstmals nehmen 48 Teams teil, erstmals werden 104 Spiele ausgetragen und erstmals findet die WM in drei Ländern statt: den USA, Kanada und Mexiko. Die FIFA präsentiert das Turnier als modern, nachhaltig und inklusiv. Doch trotz aller Nachhaltigkeitsrhetorik dürfte die WM 2026 ökologisch problematisch werden.
Positiv ist, dass die FIFA überwiegend bestehende Stadien nutzt und damit gigantische Neubauten wie bei der WM 2022 in Katar weitgehend vermeidet. Das reduziert den Ressourcenverbrauch und ist ein wichtiger ESG-Fortschritt. Auch die grundsätzlich besseren Arbeits- und Menschenrechtsstandards in Nordamerika sind im Vergleich zu Katar ein relevanter sozialer Vorteil. Dennoch wird dieser Fortschritt durch die Dimension des Turniers relativiert: Zwischen Vancouver und Mexiko-Stadt liegen tausende Kilometer. Fans, Teams, Medien und Sponsoren werden quer über den Kontinent reisen; der Flugverkehr dürfte einen erheblichen Teil der Emissionen verursachen. Das war beispielsweise bei der Fußball-EM 2024 in Deutschland anders, wo der Veranstalter konsequent auf stark vergünstigten Bahntickets und kostenlosen öffentlichen Nahverkehr setzte.
Gerade im Vergleich zu kompakteren Turnieren wird der Zielkonflikt deutlich. Regionale Bewerbe oder Turniere mit kürzeren Wegen können nachhaltiger organisiert werden, weil Bahn, Busse und lokale Mobilitätskonzepte stärker genutzt werden können. Auch kleinere Sportveranstaltungen zeigen, dass bestehende Infrastruktur, regionale Wertschöpfung und leistbare Teilhabe besser miteinander vereinbar sind. Die WM 2026 geht hingegen in die entgegengesetzte Richtung: mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Reisen, mehr Konsum.
Besonders kritisch ist die Rolle des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco als FIFA-Sponsor. Kaum ein Unternehmen steht stärker für fossile Geschäftsmodelle und hohe CO₂-Emissionen. Gleichzeitig wirbt die FIFA mit Nachhaltigkeit, Diversität und Gleichberechtigung. Dieser Widerspruch nährt den Vorwurf des Greenwashings. Hinzu kommen menschenrechtliche Kritikpunkte an Saudi-Arabien, etwa im Zusammenhang mit Frauenrechten, Meinungsfreiheit und LGBTQ-Rechten.
Auch in sozialer Hinsicht bleibt das Turnier ambivalent. Explodierende Ticketpreise machen den Stadionbesuch für viele Fans unerschwinglich. Hospitality-Pakete kosten mehrere tausend Dollar, selbst reguläre Tickets liegen deutlich über früheren WM-Niveaus. Damit droht die WM zunehmend zum Luxusprodukt für Konzerne, Influencer:innen und Wohlhabende zu werden. Auch hier hätte die Fußball-EM 2024 in Deutschland als Vorbild dienen können: Der Fokus lag dort stark auf eintrittsfreien Fanzonen, Barrierefreiheit, Inklusion und sozialen Rahmenprogrammen.
Dazu kommen lokale Umweltprobleme, etwa rund um die Renovierung des Estadio Azteca in Mexiko-Stadt. Obwohl die Stadt seit Jahren unter Wasserknappheit leidet, verursachen Modernisierungen zusätzlichen Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig zeigt gerade die Nutzung bestehender Stadien, dass nachhaltigere Ansätze möglich wären, wenn sie konsequent mit Mobilitäts-, Energie- und Sozialkonzepten verbunden würden.
Fußball soll Menschen verbinden, Emotionen wecken und Begeisterung schaffen. Millionen Menschen werden die WM 2026 verfolgen. Aus ESG-Sicht bleibt jedoch eine unbequeme Erkenntnis: Wirklich klimafreundlich ist diese Weltmeisterschaft vor allem für jene, die zuhause bleiben und sie im Fernsehen verfolgen.
Autor:
Dr. Bernhard Huber, CPM, CEFA
Wertpapier Produktmanagement
Stand: 1. Juni 2026
Risikohinweise und Haftungsausschluss
Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Werbung, welche von der Oberösterreichischen Landesbank Aktiengesellschaft (HYPO OOE) ausschließlich zu Informationszwecken erstellt wurde. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen. Diese Werbung ist unverbindlich, stellt weder eine Anlageberatung, noch ein Angebot oder eine Einladung zur Angebotsstellung, noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Veranlagungen dar und ersetzt nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater im Rahmen eines individuellen und auf die persönlichen Verhältnisse (zB. Risikobereitschaft) des Anlegers abgestimmten Beratungsgesprächs. Die enthaltenen Angaben, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung - vorbehaltlich von Änderungen und Ergänzungen. Die HYPO OOE übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Diese Informationen dienen nur der Erstinformation und enthalten keinerlei Rechts- oder Steuerberatung und können diese auch nicht ersetzen. Die beschränkte Steuerpflicht in Österreich betreffend Steuerausländer impliziert keine Steuerfreiheit im Wohnsitzstaat.
Ausführliche Risikohinweise und Haftungsausschluss unter www.hypo.at/disclaimer.