Marktkommentar
HYPO Marktkommentar

Wir geben Ihnen im Marktkommentar einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten.

Am Kabutocho, da tut sich was…

… gemeint ist damit jenes Stadtviertel im östlichen Zentrum der Millionenmetropole Tokio, das den Sitz der Tokioter Börse beherbergt. Im übertragenen Sinn bezeichnet man mit „Kabutocho“ oft die dortige Börse, ähnlich wie „Wall Street“ als Synonym für die New Yorker Börse verwendet wird. Doch was genau ist geschehen; der Reihe nach.

Vor ein paar Wochen kam es im Reich der aufgehenden Sonne zu größeren Marktturbulenzen an den Börsen - insbesondere an den dortigen Anleihemärkten - nachdem politische Unsicherheiten die Runde machten. So hat die erst kürzlich neu gewählte japanische Premierministerin Sanae Takaichi das japanische Parlament aufgelöst und vorgezogene Neuwahlen für den 08. Februar ausgerufen. Dieser Vorgang wäre, für sich allein betrachtet, ja noch nichts Ungewöhnliches, wohl aber das zuvor ausgesprochene Wahlversprechen, demnach Steuersenkungen im Umfang von rund US-Dollar 135 Milliarden mit höheren Staatsausgaben - sprich der Aufnahme neuer Schulden - finanziert werden sollen. Zudem bekräftigte sie die Absicht, die japanische Umsatzsteuer auf Lebensmittel in Höhe von aktuell acht Prozent für einen Zeitraum von zwei Jahren auszusetzen. Ähnlich wie in Österreich ist die - in Japan immer noch ungewohnte - Inflation, insbesondere bei Lebensmittel, für viele Japaner*innen ein Ärgernis. So stieg der Preis für Reis - bekanntlich das Grundnahrungsmittel im Inselreich - seit dem Jahr 2022 um rund 100 Prozent an. Für die Japaner*innen, die seit Jahrzehnten stabile Preise ohne nennenswerte Schwankungen gewohnt waren, ist das ein regelrechter Schock.

Das Wahlversprechen der Premierministerin - so gut es auch für die hiesigen Konsumenten*innen sein mag - hat jedoch die Sorgen der Anleger*innen über Japans Kombination aus hoher Verschuldung und steigenden Renditen erneut entfacht. Angesichts einer Verschuldung von mehr als 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) flüchteten viele Investoren*innen aus japanischen Staatsanleihen, insbesondere jenen mit sehr langen Laufzeiten, was die Renditen in ungeahnte Höhen trieb. So haben die Renditen japanischer 40-jähriger Ultra-Langläufer zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 2007 die vier Prozent-Marke durchbrochen. Wohlgemerkt, der Anstieg der Marktrenditen hat sich über alle längeren Laufzeiten vollzogen. 10-jährige JGB (Japan Government Bonds) stiegen kürzlich auf 2,4 Prozent und haben damit die Schwelle von zwei Prozent, die zuvor seit dem Jahr 1997 nicht mehr überwunden wurde, klar hinter sich gelassen.

Es scheint, dass die Anleger*innen in Japan ebenfalls einen sogenannten „Liz-Truss-Moment“ befürchten und daher zunächst aus japanischen Staatsanleihen geflüchtet sind. Zur Erinnerung; die ehemalige britische Premierministerin Liz Truss hatte im September 2022 beschlossen, gravierende Steuersenkungen über die Aufnahme zusätzlicher Staatsschulden zu finanzieren. Jedoch wurde ihr Plan von den Finanzmärkten - anders als von ihr erwartet - massiv abgestraft. Das britische Pfund und britische Staatsanleihen knickten massiv ein, sodass sogar die Bank of England eingreifen musste, um Pensionsfonds vor dem Kollaps zu bewahren. Da es beim japanischen Yen - anders als 2022 beim britischen Pfund - noch zu keinen allzu auffälligen Kursreaktionen kam, sollte man nun erst einmal abwarten, ob sich die Lage eventuell bald wieder beruhigt.

Nichtsdestotrotz gilt es die Situation weiterhin genau zu beobachten; auch im Hinblick auf den Renditeabstand (engl. spread) zwischen laufzeitgleichen japanischen und US-amerikanischen Staatsanleihen. Bei den 10-jährigen liegt der Renditeunterschied nur noch bei rund zwei Prozentpunkten. Und da die US-Zentralbank im Jahresverlauf tendenziell die Zinsen senken wird, könnte auch der Spread weiter sinken. Ob dies das Ende des sogenannten „JPY/USD Carry Trade“ besiegelt - demnach sich viele Anleger*innen in japanischen Yen billig verschuldet haben und dieses Kapital beispielsweise in den USA höher rentierlich veranlagt haben - wird sich weisen. Einen Vorgeschmack darauf, was passieren kann, wenn sich dieses Muster dreht, erhielten wir schon im August 2024, als die vermeintliche Zinswende (Zinserhöhung) der japanischen Zentralbank einen kleinen Crash beim JPY/USD-Wechselkurs und am dortigen Aktienmarkt auslöste. Es bleibt somit spannend.

Autor:                                                                                       

Mag. Andreas Brunbauer, CEFA, CFTe, CPM
Kapitalmarktstratege

Stand: 1. Februar 2026

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