Marktkommentar
HYPO Marktkommentar

Wir geben Ihnen im Marktkommentar einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten.

„Nach Golde drängt, am Golde hängt…

…doch alles“. Ganz im Sinne des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe erkennen immer mehr Marktteilnehmer:innen im „Golde“ nicht nur eine Krisenwährung, sondern vielmehr eine strategische Reserve, die im vorherrschenden geopolitischen und fiskalischen Umfeld zunehmend an Bedeutung gewinnt. 

Längst folgt der Goldpreis nicht mehr ausschließlich klassischen makroökonomischen Einflussgrößen wie Inflationserwartungen oder Realzinsen. Zunehmend prägen geopolitische Ereignisse - man erinnere sich nur an das Einfrieren der russischen Devisenreserven im Jahr 2022 im Zuge des russischen Angriffskriegs - die Dynamik am Goldmarkt. Seit diesem Ereignis hat sich die Goldnachfrage der Zentralbanken signifikant erhöht. Dabei sind es insbesondere die Notenbanken aus den Schwellenländern, die ihre Reservestrategien neu ausrichten. Das Misstrauen gegenüber dem US-Dollar, aber auch ein wachsendes Bedürfnis nach geopolitischer Autonomie sind die wesentlichen Treiber dieses Paradigmenwechsels in der globalen Währungsarchitektur.

Zu den weiteren Gründen vermehrter Goldkäufe zählt die hohe und weltweit steigende Staatsverschuldung vieler Länder. Besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika führen hohe Zinsausgaben zu wachsender Skepsis gegenüber der langfristigen Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. So hat sich die reale Rendite inflationsgeschützter US-Staatsanleihen zuletzt zwar etwas stabilisiert, aber der gleichzeitige Anstieg des Goldpreises zeigt eindrücklich, dass sich das in der Vergangenheit lange Zeit beobachtbare inverse Verhältnis zwischen beiden Schlüsselfaktoren (Realzins und Goldpreis) zunehmend auflöst. Die Anleger:innen preisen zunehmend politische Risiken ein - auch angesichts einer US-Regierung, die offen das strategische Ziel einer US-Dollar Abwertung verfolgt. Das gelbe Edelmetall profitiert in diesem Umfeld als Alternative zu Währungen mit abnehmender Glaubwürdigkeit.

Trotz der zuletzt deutlich positiven Entwicklung des Goldpreises mehren sich inzwischen die Anzeichen einer kurzfristigen Überhitzung. Dabei wäre ein temporärerer Kursrücksetzer nicht nur aus technischer Sicht gesund, sondern könnte auch strategisch dazu genutzt werden, um bestehende Positionen des Edelmetalls weiter auszubauen. Immerhin befinden wir uns seit langem in einem strukturellen Aufwärtstrend. Insbesondere in einem Umfeld, in dem US-Staatsanleihen ihre traditionelle Rolle als „sicherer Hafen“ zusehends verlieren und der US-Dollar mittlerweile strukturellen Abwertungsdruck erfährt, bleibt das gelbe Edelmetall ein unverzichtbarer Stabilitätsanker. Zu bedenken gilt es an dieser Stelle lediglich, dass ein sich weiter abschwächender US-Dollar die Performance eines in US-Dollar denominierten Vermögenswertes bzw. Assets - wie Gold eben eines ist - negativ beeinflusst. Eine Währungssicherung kann hier Abhilfe verschaffen, wenngleich die Kosten dieser ins Kalkül gezogen werden müssen.

Der Goldmarkt steht somit exemplarisch für einen übergeordneten Paradigmenwechsel an den internationalen Kapitalmärkten - hin zu mehr strategischer Resilienz durch strukturelle Diversifikation. Denn gerade auch in Phasen hoher Volatilität bei risikobehafteten Assetklassen - wie Aktien und Unternehmensanleihen - kann Gold seine Stärke als diversifizierender Faktor im Portfolio sehr gut ausspielen. Allerdings wäre eingangs angeführtes Zitat ohne den Nachsatz „Ach wir Armen!“ unvollständig. Damit sollte wohl die Verzweiflung jener Menschen zum Ausdruck gebracht werden, die zur damaligen Zeit nicht in der Lage waren, ihren Wünschen nach Erfolg und Wohlstand nachzukommen, da sie nicht im Besitz des Edelmetalls waren. Zeit also, um heutzutage zumindest ein wenig über Gold nachzudenken.

Autor:                                                                                       

Mag. Andreas Brunbauer, CEFA, CFTe, CPM
Kapitalmarktstratege

Stand: 1. August 2025

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