Marktkommentar
HYPO Marktkommentar

Wir geben Ihnen im Marktkommentar einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten.

Dreht Warsh an der Zinsschraube?

Das Treffen der internationalen Notenbanker:innen in Jackson Hole ist traditionell ein Ort für geldpolitische Signale - und der amerikanische Notenbankchef hat dieses Jahr geliefert. Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), nutzte seine erste große Rede im US-Bundesstaat Wyoming, um eines deutlich klarzumachen. 

Die Inflation ist für ihn noch längst nicht besiegt. Zwar ist die Teuerung in den USA zuletzt etwas zurückgegangen, doch sie liegt weiterhin deutlich über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Der von den Währungshüter:innen bevorzugte Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE-Deflator) stieg im Juli um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dessen Kernrate - ohne Berücksichtigung von Energie und Lebensmittelpreisen - um 3,3 Prozent. Beim Verbraucherpreisindex (CPI) lag die Inflation bei 3,4 Prozent, die Kerninflation bei 2,5 Prozent.

Die Schlussfolgerung daraus ist lt. US-Notenbankchef entsprechend unbequem: „Solange die Inflation nicht klar und ausreichend schnell in Richtung zwei Prozent sinkt, müsse die Fed noch Arbeit leisten“, so seine Aussage. Eine Zinserhöhung ist damit ausdrücklich wieder eine Option, wobei er einen konkreten Termin nicht nannte. Und gerade dieser Kommunikationsstil ist typisch für seinen neuen Kurs. Warsh will die sogenannte „Forward Guidance“, darunter versteht man möglichst genaue Hinweise auf den künftigen Zinsweg, so weit wie möglich zurückfahren. Die Fed soll weniger versprechen und sich stärker auf die jeweiligen neuesten Daten konzentrieren. Für die Finanzmärkte bedeutet das mehr Unsicherheit, aber auch eine klare Botschaft, dass mit automatischen Zinssenkungen wohl nicht zu rechnen ist. Vielmehr erwarten die Finanzmärkte nun wieder deutlich stärker eine Anhebung der Zinsen bei der nächsten Sitzung am 15. und 16. September.

Bemerkenswert ist zudem Warsh`s Einschätzung zur US-Wirtschaft. Trotz der höheren Zinsen wirkt diese keineswegs stark gebremst. Konsum und Unternehmensinvestitionen zeigen sich weiterhin widerstandsfähig, während der US-Arbeitsmarkt eher stagniert als einbricht. Für Warsh spricht dies gegen die Vorstellung, dass die Geldpolitik bereits besonders restriktiv sei. Damit verschiebt sich das Abstimmungsverhalten innerhalb der Fed zugunsten einer restriktiveren Zinspolitik. Denn solange die Konjunktur eine gewisse Stärke zeigt, kann die Notenbank höhere Zinsen leichter verkraften, um den Preisdruck zu dämpfen. Beim jüngsten Zinsentscheid im Juli hatten bereits drei stimmberechtigte Fed-Mitglieder für eine Erhöhung plädiert.

Betreffend der Inflationsaussichten kommt es nun auf die nächsten Monate an. Die Finanzmärkte rechnen zwar weiterhin mit einer allmählichen Abschwächung der Teuerung, doch Warsh machte deutlich, dass ihm eine bloße Verbesserung nicht genüge. Er will belastbare Beweise dafür sehen, dass die Inflation tatsächlich nachhaltig zum Zwei-Prozent-Ziel (Geldwertstabilitätsziel) zurückkehrt. Bleiben diese aus, könnten die Währungshüter:innen bereits im September oder später im Jahr an der Zinsschraube drehen.

Jackson Hole hat damit vor allem eines klargemacht. Unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh wird die US-Notenbank ihre Glaubwürdigkeit beim Inflationsziel nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Die entscheidende Frage lautet daher, ob die kommenden Makrodaten einen weiteren Rückgang der Inflation klar bestätigen. Tun sie das, ist - ganz im Sinne des US-Präsidenten - mit einer leichten Entspannung an der Zinsfront zu rechnen. Tun sie das aber nicht, wird eine Zinserhöhung im Herbst zunehmend wahrscheinlicher. 

Autor:                                                                                       

Mag. Andreas Brunbauer, CEFA, CFTe, CPM
Kapitalmarktstratege

Stand: 1. September 2026

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