Marktkommentar
HYPO Marktkommentar

Wir geben Ihnen im Marktkommentar einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten.

Stagflationärer Impuls vor unserer Haustür

Die Angst vor Stagflation geht wieder um, denn dauerhaft erhöhte Energiepreise rufen bei Notenbanker:innen ein Szenario hervor, das sie mehrheitlich fürchten. Namentlich Inflationsdruck gepaart mit einem gedrosselten Wirtschaftswachstum. 

Aus Sicht der Preisdynamik legt die Stagflation eine restriktivere Geldpolitik (d.h. Zinserhöhungen) nahe, während jedoch die Wachstumsschwäche nach Leitzinssenkungen ruft - wahrlich kein leichtes Unterfangen für die Währungshüter:innen. Zwar ist der Ölpreis zwischenzeitlich wieder leicht gesunken - die Nordseesorte Brent sprang im Hoch temporär auf knapp USD 120 pro Fass - notiert aber weiterhin deutlich über dem Stand vor Kriegsbeginn und Nahe des Höchststandes.

An den globalen Anleihemärkten wurden infolge des Iran-Kriegs im Monat März mehr als USD 2,5 Billionen an Wert ausgelöscht. Zwar fällt der Rückgang geringer aus als die rund USD 11,5 Billionen, die an den globalen Aktienmärkten bis dato verlorengingen; dennoch ist es bemerkenswert, da Anleihen in Zeiten geopolitischer Spannungen üblicherweise zulegen, und die Verluste bei Aktien zumindest teilweise kompensieren sollten. Dem ist aber in der aktuellen Situation nicht so, da sowohl die kurzfristigen Inflationserwartungen (insbesondere in den USA), als auch die langfristigen Inflationserwartungen (insbesondere in Europa) in Folge des angebotsseitigen Ölpreisschocks angestiegen sind und über die erhöhte Inflationsprämie einen Rendite- und Zinsaufwärtsdruck auslösten.

Doch wie sensitiv reagieren nun Volkswirtschaften bzw. die Weltwirtschaft auf einen Ölpreisschock? Experten:innen haben dazu Berechnungen unter der Annahme eines dauerhaften Ölpreisanstiegs von 10 Prozent (aktuell ist der kurzfristige Anstieg jedoch deutlich höher) angestellt. Demnach dürfte das globale BIP-Wachstum nach einem dauerhaften 10%igen Preisanstieg um mehr als 0,1 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Des Weiteren hat das Institut der deutschen Wirtschaft ausgerechnet, dass bei einem dauerhaften Ölpreis von USD 100 pro Fass das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 Prozentpunkte geringer ausfallen wird, im nächsten Jahr (2027) um 0,6 Prozentpunkte. Auf der Inflationsseite werden insbesondere die asiatischen und die europäischen Konsumenten:innen die erhöhte Teuerung zu spüren bekommen, deren direkter Effekt unmittelbar in der Energiekomponente der jeweiligen Inflationsrate sichtbar werden wird. Indirekte Effekte treten hingegen zeitversetzt auf, dann wenn die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Transport und Produktion auf die Endpreise von Nahrungsmitteln, Industriewaren und Dienstleistungen überwälzt werden.

Nichtsdestotrotz dürften die Verantwortlichen in den Notenbanken vorerst eine abwartende Haltung einnehmen. Mit der Zeit besteht jedoch die Gefahr, dass die Währungshüter:innen eine restriktivere Haltung einnehmen, sollten die Inflationserwartungen - wie eingangs beschrieben - deutlicher nach oben driften. Das alte Mantra der Zentralbanken, durch Energiepreisschocks „einfach hindurchzusehen“ d.h. sowohl bei steigenden als auch fallenden Ölpreisen mit keinen sofortigen geldpolitischen Maßnahmen zu reagieren bzw. erst einmal abzuwarten, gilt wohl seit den Erfahrungen im Nachgang der Pandemie nicht mehr uneingeschränkt. Und so haben auch die Markterwartungen für die Leitzinsentwicklung als Reaktion auf die stark steigenden Energiepreise nach oben korrigiert, d.h. dass bei den nächsten Zinssitzungen der Notenbanken erste Zinserhöhungsschritte - zumindest in der Eurozone - umso wahrscheinlicher werden.

Autor:                                                                                       

Mag. Andreas Brunbauer, CEFA, CFTe, CPM
Kapitalmarktstratege

Stand: 1. April 2026

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