Geld im Wandel: Nicht nur Bares ist Wahres

Geld ist nicht alles. Doch es prägt unseren Alltag seit Jahrtausenden, regelt unser Zusammenleben und ist daher aus unserem Leben nicht wegzudenken. Und während Millionen Europäer diesen Sommer erstmals über das Design der neuen Euro-Scheine abstimmen konnten, geht der Wandel unseres Geldes ohne Unterlass weiter. Eine Spurensuche zwischen Historie und Zukunft.

Symbolbild zweiter Hände, die sich Geld weitergeben

Das Thema Geld bewegt, auch und insbesondere in Österreich. Das zeigt sich etwa darin, dass laut der Europäischen Zentralbank (EZB) 62 Prozent der heimischen Transaktionen in bar abgewickelt werden – nur in Malta (67 %) und Slowenien (64 %) ist Bares noch gefragter. Und auch bei der historischen Umfrage der EZB, die erstmals online abstimmen ließ, wie die künftigen Euro-Banknoten aussehen sollen, stach Österreich hervor: Rund 470.000 Österreicherinnen und Österreicher nahmen bis Mitte September daran teil, das entspricht über fünf Prozent der Bevölkerung. Damit erzielte Österreich die mit Abstand höchste Teilnahmequote aller Euroländer.

Vom Tauschhandel zur Banknote
Dass wir heute darüber abstimmen können, wie unser Bargeld aussehen soll, ist das Ergebnis einer jahrtausendelangen Evolutionsgeschichte des Geldes: Setzte die Menschheit in ihren Anfängen noch auf reinen Tauschhandel, bei dem überschüssige Güter gehandelt wurden, tauchten ab dem dritten Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien und Ägypten erstmals geldähnliche Zahlungsmittel wie das sogenannte Barrensilber auf. Die ersten genormten Metallmünzen entstanden schließlich im siebten Jahrhundert vor Christus im antiken Königreich Lydien (heutige Westtürkei) die ersten genormten Metallmünzen.

Bis zur Einführung des Papiergeld sollten – besonders in hiesigen Breiten – noch viele Jahrhunderte vergehen. Während in China bereits im 11. Jahrhundert Banknoten auftauchten, schlug die Geburtsstunde des Papiergelds in Österreich erst im Jahr 1762: Um die enorme Staatsverschuldung durch den Siebenjährigen Krieg zu bewältigen und zusätzliche Mittel für die Kriegsführung zu lukrieren, veranlasste Kaiserin Maria Theresia die Ausgabe der ersten „Bancozettel“ durch das Wiener Stadtbanco. Ursprünglich als Notmaßnahme während des Krieges gedacht, war damit der Grundstein für das moderne österreichische Geldwesen gelegt, das seine Vollendung im Jahr 1816 mit der Gründung der österreichischen Nationalbank und der Ausgabe erster Gulden-Banknoten fand. 

Wie wir heute bezahlen
200 Jahre später unterliegt unser Geld immer noch einem Wandel: Kartenzahlung und Digital Banking werden immer häufiger genutzt und seit knapp 20 Jahren prägen auch Kryptowährungen wie Bitcoin unsere Geldlandschaft. In Österreich gilt für einen beachtlichen Teil der Bevölkerung aber nach wie vor „nur Bares ist Wahres“: Laut einer aktuellen Studie von Global Payments zahlen 19 Prozent der Bevölkerung ausschließlich bar – allen voran die Generation 70 plus. Anders die junge Zielgruppe der 16- bis 29-Jährigen: Hier zahlt bereits die Hälfte mehrheitlich oder ausschließlich mit der Karte. Besonders persistent zeigt sich der Notgroschen-Gedanke: 30 Prozent der Haushalte verwahren weiterhin mehr als 300 Euro Bargeld zu Hause.

Auch in den Filialen der HYPO Oberösterreich ist eine Änderung des Kundenverhaltens spürbar, etwa wenn es um Fremdwährungen für Reisen oder Urlaube geht. „Wir merken bei der Nachfrage nach ausländischen Banknoten einen deutlichen Rückgang, besonders in den letzten fünf Jahren. Im europäischen Ausland geht heute vieles mit Kartenzahlung, damit verzichten viele auf den Währungstausch vor einer Reise“, erklärt Thomas Donaubauer, Mitarbeiter des Geldservice der HYPO OOE.

Der Digitale Euro: Notenbank goes digital
Den europäischen Trend zum digitalen Bezahlen hat selbstredend auch die EZB mitbekommen. Und während die Währungshüterin online über das neue Design der Euro-Banknoten abstimmen lässt,  bereitet sie parallel dazu mit dem sogenannten Digitalen Euro (D€) die erste Form von digitalem Notenbank-Geld vor. Als universell akzeptiertes, gesetzliches Zahlungsmittel soll der D€ für kostenfreie Basisdienste im Online-Handel, in Geschäften und bei Übertragungen zwischen Privatpersonen bereitstehen und bis 2029 schrittweise eingeführt werden. Ein Kernargument der EZB ist dabei, dass der europäische Zahlungsverkehr unabhängiger von US-Zahlungsdienstleistern werden soll.

Noch ist die analoge Banknote das Premiumprodukt der EZB. Welches Design die neuen Euro-Banknoten ab 2030 haben werden, ist derzeit noch offen. Thomas Donaubauer aus dem Geldservice der HYPO OOE hat dazu eine klare Meinung: „Jedenfalls sollte es einer der querformatigen Vorschläge werden. Die Entwürfe mit Europas Vogelwelt finde ich optisch ansprechend, dennoch tendiere ich eher zu einem Design mit verdienten Personen der europäischen Geschichte.“

Ein Mann hält einen Geldschein in die Kamera und lächelt.
Ein Mann steht vor einem Tresor mit einem Bündel Geld in der Hand

„Mein Favorit: Schweizer Franken“

Herr Donaubauer, Sie arbeiten im Geldservice der HYPO OOE – welche Aufgaben sind damit verbunden?

Wir sind in der Linzer Landstraße angesiedelt und sorgen für die Bargeld-Versorgung unserer Zentrale. Dazu zählen nicht nur Euros, sondern auch Fremdwährungen, die wir für unsere Kundinnen und Kunden vorrätig halten. Beliefert werden wir dabei von der „Geld Service Austria“ (GSA), einer Tochtergesellschaft der Nationalbank, die österreichweit Banken mit Bargeld versorgt.

Welche Währungen hat das Geldservice auf Lager – und wie hat sich das im Laufe der Jahre verändert?

Unser Währungssortiment ist inzwischen sehr kompakt und beschränkt sich auf ausgewählte starke Währungen, die weltweit leicht wechselbar sind, wie den US-Dollar, britische Pfund oder Schweizer Franken. Aufgrund der Nähe zu Tschechien bieten wir standardmäßig auch tschechische Kronen an, die nach wie vor stark nachgefragt sind. Auf Anfrage und mit etwas Vorlaufzeit für die Bestellung stellen wir aber auch andere Währungen zur Verfügung, wobei immer mehr Menschen bei Auslandsreisen auf Kartenzahlung setzen.

Sie arbeiten täglich mit verschiedensten Banknoten. Hand aufs Herz, welche ist optisch ihr persönlicher Favorit?

Ganz klar die Schweizer Franken. Sie haben eine angenehme Haptik und sind außerdem robuster als Euro-Scheine, wodurch sie sich langsamer abnützen. Außerdem sind sie schön bunt. Müsste ich mich für eine bestimmte Note entscheiden, wäre es der 1000-Franken-Schein.