Vom Juniormarathon in die Dreisprung-Weltelite

Endiorass „Endi“ Kingley zählt zu den erfolgreichsten österreichischen Leichtathleten seiner Generation. Der Dreispringer hält den Österreichrekord mit 16,85 Metern. Dabei ist der 24-Jährige eigentlich ein Spätberufener, wie er erzählt.

Dreispringer Endi Kingley im Wettbewerb
Rekord pulverisiert: Bei der Team-EM in Maribor (2025) sorgte Endi Kingley mit 16,85 Metern für eine neue österreichische Bestmarke. ©ÖLV / @wolf.amri

Dreisprung fasziniert: Nach rund 45 Metern Anlauf setzen die Athleten zum ersten Sprung an, möglichst knapp am weißen Balken. Mit einem Fuß landen sie und springen sofort weiter. Zweite Landung, dritter Absprung und dann? Möglichst weit in den Sandkasten segeln. Der Weltrekord liegt bei 18,29 Meter, das entspricht der Länge eines Sattelschleppers – und in ähnliche Dimensionen will der ehrgeizige Linzer Endiorass „Endi“ Kingley vordringen.

Der 24-Jährige startet für die TGW Zehnkampf-Union und zählt schon jetzt zu den erfolgreichsten österreichischen Leichtathleten seiner Generation. Kingley besitzt sowohl die österreichische als auch die nigerianische Staatsbürgerschaft und ist seit 2021 international für Österreich startberechtigt.

Sein Weg an die nationale Spitze der Leichtathletik war nicht von Geburt an vorgezeichnet. „Alles hat in der Mittelschule begonnen. Dort war ich bekannt als Lausbub, als schlimmer Finger“, erzählt Kingley den HYPO Perspektiven. „Da hat mich dann – das war im Jahr 2017 und ich noch 14 Jahre alt – meine Lehrerin ermutigt, beim Juniormarathon mitzulaufen. Und ohne große Vorbereitung bin ich bei dem viereinhalb Kilometer langen Lauf Dritter geworden“, sagt der 1,97-Meter-Hüne.

Dreispringer Endi Kingley im Wettbewerb
Der Mentor & sein Schützling: OÖLV-Präsident Roland Werthner (l.) und Endi Kingley sind ein eingespieltes Team. ©Zehnkampf-Union / @wolf.amri

Der Lausbub wird Rekordhalter

Dies blieb auch Roland Werthner, Präsident des OÖ Leichtathletikverbands, nicht verborgen, der Kingley unter seine Fittiche nahm. „Dann habe ich mit dem Leichtathletiktraining angefangen, wobei man anfangs alle Disziplinen im Sinne des Zehnkampfs macht.“ Auf den Dreisprung spezialisierte er sich 2020 – mit Erfolg: Ende des Jahres lag Kingleys Weite bereits bei 15,40 Metern, „das war für die Altersklasse schon richtig gut“ und auch international machte er bei der U20-EM in Tallinn und der U20-WM in Nairobi (jeweils Rang vier) auf sich aufmerksam.

Nach Wehrdienst und einer langwierigen Verletzungspause im Jahr 2024 kämpfte sich Kingley, der als Kind Polizist werden wollte, im Vorjahr wieder zurück und schaffte den endgültigen Durchbruch auf internationaler Ebene: Bei der Team-EM in Maribor gewann er den Dreisprungbewerb mit 16,85 Metern und verbesserte damit den österreichischen Uralt-Rekord von Alfred Stummer um deutliche 28 Zentimeter.

Im selben Jahr folgten das Debüt in der prestigeträchtigen Diamond League und die Teilnahme an der Leichtathletik-WM in Tokio. Dort erreichte er als erster Österreicher das Dreisprung-Finale und belegte den neunten Platz. Das nächste Ziel? „Die WM in Peking im kommenden Jahr“, sagt Endi Kingley, dessen Lieblingszitat lautet: „Kein Weg ist zu schwer, wenn es das Ziel wert ist.“

Dreispringer Endi Kingley im Wettbewerb
Das Ziel fest im Blick: Die Qualifikation für die WM 2027 in Peking. ©ÖLV / Sonia Maleterova

Vier Fragen an Endi Kingley:

·         Bei großen Meetings rufen sie regelmäßig Topleistungen ab. Mentale Stärke oder Ergebnis einer sehr gezielten Vorbereitung?

o   Ich kann sehr gut mit Druck umgehen. Das war bei mir schon in der Schule so, dass ich vor Tests, Schularbeiten oder Prüfungen nie sonderlich nervös war. Ich freue mich ja auch auf die Wettkämpfe und meines Erachtens ist es im Sport sehr wichtig, mit Druck gut umgehen zu können.

·         Wie wichtig ist die Kombi aus Schnelligkeit, Technik und Kraft im modernen Dreisprung? Und wo sehen Sie bei sich selbst das größte Entwicklungspotenzial?

o   Äußerst wichtig. Und ich weiß, dass ich speziell bei der Geschwindigkeit noch großes Potenzial habe. Bei der letztjährigen WM in Tokio kam Sieger Pedro Pichardo auf 38 km/h Anlaufgeschwindigkeit, ich auf 36,5 km/h. Genau daran arbeiten wir, diese zwei Kilometer pro Stunde zu finden.

·         Ihr nächstes Ziel: Die 17-Meter-Marke oder denken Sie schon an EM-, WM- oder Olympia-Medaillen?

o   Die Ziele liegen bei der 17-Meter-Marke und bei der WM-Teilnahme 2027 in Peking. In Richtung Medaillen blicke ich jetzt noch nicht. Das heißt nicht, dass ich das nicht langfristig auf dem Plan habe. Denn schließlich geht es in großen Wettkämpfen um den Sieg und Medaillen. Ich fokussiere mich derzeit aber vorerst auf eine konstante Verbesserung meiner Weiten.

·         Wird die Leistung von Leichtathletinnen und Leichtathleten in Österreich ausreichend gewürdigt?

o   Generell bekommt die Leichtathletik nicht den Stellenwert, der ihr zusteht. Dabei haben wir sehr viele junge Talente; speziell in Oberösterreich. Aber es ist schon ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar.