Von New York bis Linz: Die wirtschaftlichen Impulse von Fußball-WM & Co
In Nordamerika bricht die größte Fußball-WM aller Zeiten ab 11. Juni nicht nur sportlich Rekorde, sondern setzt auch wirtschaftliche Impulse. Die FIFA rechnet mit 6,5 Millionen Besuchern und einem globalen BIP-Beitrag von über 40 Milliarden US-Dollar. Und auch in Oberösterreich sorgt König Fußball für spürbare Effekte.
| HYPO Perspektiven #2/2026 Thema: Sportsommer 2026 |
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2 Millionen Euro. Die Rede ist nicht von der Höhe des nächsten Lotto-Jackpots, sondern vom Preis des teuersten WM-Finaltickets am offiziellen Zweitmarkt der FIFA. Dort können Ticketbesitzer den Weiterverkaufspreis frei wählen. „Sollte dieses Ticket wirklich jemand kaufen, bringe ich ihm persönlich einen Hotdog und ein Cola vorbei, damit er auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis hat“, zeigte sich selbst FIFA-Präsident Gianni Infantino von den Auswüchsen der Weiterverkaufspreise überrascht.
Freilich, verkauft wird das Ticket zu diesem Preis wohl nicht. Doch der Ticket-Zweitmarkt steht sinnbildlich für diese Fußball-Weltmeisterschaft und die globale Sportindustrie, die laut Weltwirtschaftsforum im Jahr 2025 2,3 Billionen US-Dollar schwer war und bis 2030 auf fast 9 Billionen US-Dollar anwachsen soll. Nach oben scheint es keine Grenze zu geben. Das gilt auch für die WM 2026: Nicht nur sportlich wird sie mit der Erweiterung auf 48 Teilnehmernationen und 104 statt 64 Spielen die größte aller Zeiten, auch wirtschaftlich erwarten die FIFA und die Welthandelsorganisation (WTO) in einer gemeinsamen Studie den Vorstoß in neue Sphären. Weltweit soll die WM einen BIP-Beitrag von rund 41 Milliarden US-Dollar und rund 800.000 Arbeitsplätze schaffen, fast 200.000 davon in den USA. Ob die WM diese hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich zwar erst zeigen - doch ein Blick auf Best-Practice-Beispiele vergangener Jahrzehnte zeigt sehr wohl, dass Sportgroßereignisse nachhaltige Effekte mit sich bringen können.
Manchester & Barcelona machten es vor
So wurden etwa die Commonwealth Games 2002, an der die Mitglieder des britischen Commonwealth of Nations teilnehmen, für die traditionelle Industriestadt Manchester zum absoluten Glücksfall: Rund 300 Millionen Pfund wurden im Vorfeld der Spiele in das heruntergekommene Schwerindustrie- und Brachflächengebiet East Manchester investiert. Zwei Jahrzehnte später hat sich East Manchester grundlegend gewandelt, es entstanden laufend neue Wohnräume, Schulen - und natürlich Sportanlagen: Das zentrale Stadion der Commonwealth Games beherbergt heute niemand Geringeren als Manchester City, die inzwischen auch ihre Nachwuchsakademie in den aufstrebenden Stadtteil verlegt haben.
Beinahe noch beeindruckender ist die Entwicklung Barcelonas seit den Olympischen Sommerspielen 1992: Bereits in den Jahren vor den Spielen halbierte sich die Arbeitslosenquote in der katalanischen Metropole dank einer Infrastrukturoffensive von rund 18 auf neun Prozent und die jährlichen Besucherzahlen kletterten - auch aufgrund der im Zuge der Spiele erarbeiteten Tourismusstrategie samt eigenem Tourismusbüro - von 1,7 Millionen Touristen im Jahr der Sommerspiele auf rund 20 Millionen Besucher im Jahr 2025.
Oberösterreich im Fußball-Fieber
Was in der großen, weiten Sportwelt funktioniert, lässt sich seit drei Jahren auch mitten in Oberösterreichs Landeshauptstadt beobachten. Denn mit der Eröffnung seiner eigenen Heimstätte auf der Gugl eröffneten sich nicht nur dem LASK neue Möglichkeiten, auch die Region profitiert von der Anziehungskraft des amtierenden österreichischen Meisters und Cupsiegers: Das deutsche Marktforschungsunternehmen SLC Management ermittelte in einer Studie, dass der LASK jährlich rund 130 Millionen Euro an regionalökonomischen Effekten für die Stadt Linz sowie das Land Oberösterreich generiert. Damit bewegt sich der Verein auf Augenhöhe mit etablierten deutschen Traditionsklubs wie Fortuna Düsseldorf (130,1 Mio.) und liegt deutlich vor Dynamo Dresden (86,2 Mio.) oder dem 1. FC Magdeburg (82,2 Mio.). Die Errichtung des Stadions hatte zuvor einen einmaligen regionalökonomischen Effekt von 140 Millionen Euro ausgelöst.
Ähnlich wie in Barcelona - wenngleich in anderem Maßstab - zeigen sich auch im oberösterreichischen Zentralraum Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Tourismus: Durch den Spielbetrieb im Stadion des LASK entstehen 186 direkte Arbeitsplätze, hinzu kommen 520 Personen, die am Spieltag in Bereichen wie Reinigung, Technik, Hospitality, Gastronomie oder Sicherheit im Einsatz sind. Drittveranstaltungen sorgten im Jahr 2025 für 960 externe Arbeitskräfte, der gesamte Beschäftigungseffekt betrug rund 16,4 Millionen Euro. Noch etwas mehr, nämlich 20 Millionen Euro, entfielen auf Gastronomie und Hotellerie. Besonders beeindruckend: Mehr als 78.000 Übernachtungen wurden 2024 in Zusammenhang mit Veranstaltungen im Stadion verzeichnet - das entspricht rund sieben Prozent aller Nächtigungen in Linz. „Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Raiffeisen Arena weit über den Sport hinaus wirkt. Mit unserer Heimstätte begeistern wir nicht nur Fußballfans, sondern schaffen einen spürbaren Mehrwert für die Stadt Linz und das gesamte Bundesland Oberösterreich“, so LASK-Geschäftsführer Siegmund Gruber. Auch die HYPO Oberösterreich hat das Potential des Spitzensports für den Standort Oberösterreich seit Langem erkannt und tritt unter anderem als starker Partner des LASK und der SV Ried in Erscheinung, wobei bei beiden Klubs auch die Nachwuchsförderung im Fokus der Unterstützung steht: „Der Fußball hat in Oberösterreich eine enorme Breitenwirkung – nirgendwo sonst erreicht man mit Sport so viele Menschen und schafft eine derart starke regionale Verbundenheit“, ordnet Klaus Kumpfmüller, Vorstandsvorsitzender der HYPO Oberösterreich, das Engagement der Bank im Sportsponsoring ein.
Die wirtschaftliche Strahlkraft des Fußballs - sie zeigt sich nicht nur in den USA, sondern auch im Herzen Oberösterreichs. Und Hotdog und Cola gibt es im Stadion des LASK auch - ganz ohne Infantino.